Abschiebung Nach 23 Jahren in Deutschland wurden Roma am Dienstag in den Kosovo geflogen

Polizei holte die Eheleute aus dem Bett

Agron Berisha erlebte mit seinen Söhnen Gzim (11) und Ramis (acht), wie am Dienstagmorgen Polizisten und Behördenvertreter in die Unterkunft (Bild) der Eltern eindrangen und das Ehepaar abholten. BILD: Heinz-Josef Laing
Der Sohn und zwei Enkel von Ramiz und Fatmire Berisha waren dabei, als die Behörden morgens kamen. Am Mittag befand sich das Ehepaar bereits im Kosovo.

VON HEINZ-JOSEF LAING

FRIESOYTHE – Der Landkreis Cloppenburg hat als zuständige Ausländerbehörde am Dienstagmorgen das aus dem Kosovo stammende und in Friesoythe lebende Ehepaar Ramiz (58) und Fatmire (53) Berisha in seiner Unterkunft abgeholt und in den Kosovo abgeschoben. Das Ehepaar gehört der Minderheit der Roma an.
Asylantrag abgelehnt
Nach Angaben der Kreisverwaltung war der Asylantrag des Paares abgelehnt worden. Die Eheleute hätten kein Aufenthaltsrecht in Deutschland, seien lediglich geduldet gewesen. Sie hätten mehrere Ausreisefristen versäumt. Zwischenzeitlich sei das seit 1990 in Deutschland lebende Paar im Jahre 2006 nach Belgien geflüchtet, um einer Abschiebung zu entgehen. Zudem sei das Ehepaar bei mehreren Abschiebungsversuchen untergetaucht, erklärteKreissprecher Frank Beumker. Außerdem habe das Paar mehrere Angebote zur freiwilligen Ausreise mit finanzieller Unterstützung abgelehnt. Auch bei der Beschaffung von Passersatzpapieren habe das Paar seine Mitwirkung verweigert.
„Wir hatten Angst“
Agron Berisha (29) ist ein Sohn des Ehepaares, eines von acht inzwischen erwachsenen Kindern, die alle mit ihren Familien in Deutschland leben. Der allein erziehende Vater wohnt mit seinen elf und acht Jahre alten Söhnen Gzim und Ramis im Caritas-Wohnheim, einer Unterkunft für Flüchtlinge am Pehmertanger Weg in Friesoythe. Auch seine Eltern lebten seit einigen Jahren dort. Agron Berisha war dabei, als die Behörden am frühen Dienstagmorgen seine schlafenden Eltern weckten und abholten: „Hier standen plötzlich mehr als 20 Polizisten im Haus. Mein Vater lag auf dem Boden, meine Mutter war ohnmächtig geworden. Meine Söhne und ich hatten nur noch Angst.“
Die Eltern hätten in zwei Koffern nur das Nötigste einpacken dürfen. Ihnen sei ein Beutel mit Medikamenten ausgehändigt worden. Agron Berisha: „Mein Vater ist Diabetiker und herzkrank.“ Nach einer halben Stunde seien die Behördenvertreter mit den Eltern fortgefahren. Agron Berisha: „Um 9 Uhr waren sie in Düsseldorf auf dem Flughafen. Mittags landeten sie im Kosovo in der Stadt Pristina.“
Djevdet Berisha (42) lebt in Hannover. Er ist ein Neffe des abgeschobenen Ramiz Berisha, und er ist der Landesvorsitzende in Niedersachsen von „Romane Aglonipe“, der Interessenvertretung der Kosovo-Roma in Niedersachsen. Djevdet Berisha: „Wir treten für ein Bleiberecht der Roma in Niedersachsen ein. Im Kosovo werden die dort lebenden 50 000 Roma diskriminiert. Ihre Kinder dürfen keine öffentlichen Schulen besuchen. Die Roma leben dort am Rande der Städte in Ghettos. Sie erhalten keine soziale Unterstützung.“ 95 Prozent der Kosovo-Roma seien arbeitslos.
Politischer Streit
Djevdet Berisha kritisierte die Abschiebepraxis des Landes Niedersachsen. Eine ausreichende medizinische Versorgung des Friesoyther Ehepaares im Kosovo sei nicht zu erwarten. Zwei der erwachsenen Kinder des Ehepaares seien ebenfalls aktuell von Abschiebung bedroht.
Die Landtagsfraktion der Partei „Die Linke“ erklärte, das Ehepaar lebe seit 23 Jahren unbescholten in Deutschland. Die Abschiebungen in den Kosovo müssten sofort beendet werden. Für die SPD-Landtagsfraktion erklärte Renate Geuter (Markhausen), die Aktion sei „inhuman“. Ein noch am Morgen gestellter Eilantrag auf Aussetzung der Abschiebung sei gescheitert. Kreissprecher Frank Beumker sagte, gesundheitliche Gründe hätten der Abschiebung nicht im Wege gestanden. Laut amtsärztlichem Zeugnis sei das Paar reisefähig. Eine berufliche Integration der Eheleute habe nicht stattgefunden. Der Ehemann habe nur einen Tag im regulären Arbeitsmarkt gearbeitet, die Ehefrau habe nie einen festen Arbeitsplatz gehabt. Im Kosovo erhalte das Paar finanzielle Starthilfe. Sein Wohnhaus habe das Ehepaar Berisha nach dem Krieg im Kosovo verkauft. Das Ehepaar werde jetzt in einer Unterkunft einquartiert.

Quelle NWZ ONLINE


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