Ungarische Roma gründen Garde zur Selbstverteidigung

„Roma-Garde“ will gegen Rechtsextremisten mit bis zu 8.000 Mitgliedern auftreten

Budapest – In der südungarischen Stadt Pecs hat die Roma-Vereinigung der Stadt ihre eigene Organisation für Selbstverteidigung gegründet. Das berichtete die Ungarische Nachrichtenagentur MTI am Mittwochabend. Dabei würde die „Roma-Garde“ landesweit Mitglieder anwerben. Das Polizeipräsidium des Komitats Baranya betonte, mit „gesetzlichen Mitteln werde die Schaffung gesetzeswidriger Organisationen unterbunden“. Laut Roma-Vereinigung wurde die „Roma-Garde“ gegründet, da die rechtsextremistische „Ungarische Garde“ trotz Verbotes weiter aktiv sei. Laut dem Internetportal www.bama.hu wolle die „Roma-Garde“ im Interesse des Schutzes von Roma, Juden und anderer bedrohter Minderheiten auftreten. Der Leiter der „Roma-Garde“, Ferenc Bago, dementierte das Geld für den Kauf von Waffen gesammelt wurde. Bisher hätten sich bereits rund 400 Roma der eigenen Garde angeschlossen. Insgesamt rechne man mit 6.000 bis 8.000 Mitgliedern. Politologen betonten, wie gefährlich ein Aufeinandertreffen der rechtsextremen und der „Roma-Gade“ wäre.
„Ungarische Garde“ müsse mit Gegenmaßnahmen rechnen
Die Roma-Vereinigung von Pecs hat bereits Verträge mit anderen Vereinigungen sowie mit dem „Landesnetz der ungarischen Zigeuner“ abgeschlossen. Laut Istvan Kovacs, Vorsitzender der Roma-Selbstverwaltung der Stadt Mohacs, sei jede Aktion der „Roma-Garde“ überflüssig, wenn die rechtsextremistische „Ungarische Garde“ nicht mehr marschiere und die Roma damit als größte ungarische Minderheit bedrohe. Falls die „Ungarische Garde“ dennoch in den Roma-Gemeinden aktiv sei, müsse sie „mit Gegenmaßnahmen rechnen“.
2007 hatte die rechtsradikale Jobbik-Partei die „Ungarische Garde“ gegründet, die seit 2009 verboten ist, sich jedoch als „Neue Ungarische Garde“ neu formierte. So marschierte die paramilitärische, offen rassistische Garde immer wieder durch ungarische Roma-Dörfer und sorgte dort für Angst und Schrecken. Die Kleidung der Gardisten erinnert an die Uniform der ungarischen Nazi-Partei Pfeilkreuzler, die ab Herbst 1944 bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs in Ungarn ein Terror-Regime führte.
(derStandard.at)

UPDATE, 7. September: Wie am Donnerstagabend bekannt wurde, hat die Polizei, mit Unterstützung der Antiterroreinheit TÉK, den Gründer und selbsternannten Kommandanten der Roma-Garde Ferenc Bagó nach einem Interview im Pécser Stadtfernsehen verhaftet. Jedoch nicht, wie zuerst gemeldet, wegen des Verdachts der Gründung einer kriminellen Vereinigung und Störung der öffentlichen Ordnung, sondern, “weil er als Vorbestrafter eine Organisation gegründet hat.” Laut Gesetz ist das verboten, was aber lediglich die Nichtanerkennung der Organisation (Verein, Partei, etc.) zur Folge haben dürfte, nicht eine automatische Verhaftung, sonst säßen bald viele Leute in Haft. Mit Bagó wurde auch ein Pressefotograf mit aus dessen Wagen gezogen und kurzzeitig verhaftet. Ersterer wollte diesem gerade eine frische Hakenkreuzschmiererei an seinem Hause zeigen.
http://www.pesterlloyd.net/html/1236romagarde.html#.UEmoXL0ekbM.facebook

Chef der neuen „Roma-Garde“ in Ungarn festgenommen
http://orf.at/stories/2139683/

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