Ungarischer Botschafter bezeichnet Roma als “Inzestgruppe”

Über 100 Universitätsangehörige der Corvinius Universität in Budapest haben dieser Tage gegen ein Lehrbuch ihres Uniprofessors und derzeitigen ungarischen Botschafters in Norwegen, Géza Jeszenszky, protestiert. Die Roma seien traditionell auf Inzest eingestellt, daher sei auch ihre Rate von geistig Behinderten höher, so die “rein fachliche” Einschätzung seiner Exzellenz. Die Aussagen sind so unwissenschaftlich wie allgemein anerkannt, daher steht das Außenministerium auch weiter: “voll hinter dem Botschafter”. 

Eine solche „pseudowissenschaftliche, heftige Stigmatisierung einer ethnischen Gruppe unter dem Deckmantel der Wissenschaft, können wir an der BCE nicht akzeptieren” erklärten sie in einem Statement. Der Universitätsprofessor, der derzeit als ungarischer Botschafter in Norwegen tätig ist, hatte darin u.a. dargestellt, dass „die hohe Anzahl von Geisteskranken unter den Roma darauf zurückzuführen ist, dass es in dieser Kultur erlaubt ist, dass Brüder und Schwestern heiraten und sexuelle Beziehungen miteinander haben dürfen.”
Jeszenszky selbst wies alle Vorwürfe entschieden zurück. „Das umstrittene Kapitel meines Buches ist ein wörtliches Zitat aus einer medizinischen Fachzeitschrift”, erklärte er. In seiner Laufbahn als „Professor, Minister und Botschafter” habe er die verfolgten, ethnischen oder religiösen Minderheiten „immer unterstützt”. Auch mit seinem Lehruch habe er lediglich versucht, seinen Lesern „die Ausmaße des Problems vor Augen zu führen und Verständnis für die Roma zu wecken”. Er bedauerte, „dass manche Leser das Buch als Beleidigung auffassen”, aber diese sollten eben „nicht nur die umstrittenen Passagen, sondern das ganze Buch lesen.” Das ungarische Außenministerium stellte sich hinter den Botschafter. „Man kann Jeszenszky nicht unterstellen, dass er Vorurteile hat”, erklärte ein Sprecher, „allein seine letzten Publikationen zeigen, dass er sich für die Rechte von Minderheiten einsetzt.” Das Ministerium stehe voll hinter ihm, ein Rücktritt komme nicht in Frage. Der Vorsitzende des „Zentrums für Studien über den Holocaust und religiöse Minderheiten” in Oslo, Anton Weiss-Wendt, berichtet indes anderes. In einer Mail an das Zentrum hat Jeszenszky seine Meinung verteidigt „Die Romagemeinschaft ist nun einmal eine Inzuchtgruppe, da das Volk keine Ahnung von den Gefahren hat, die aus Inzest entstehen können.” Der ungarische Holocaust Experte, László Karsai, sagte auf diese Äußerung hin seine Teilnahme an der Holocaust-Konferenz in Oslo ab.
Der Botschafter teilt seine Wertungen übrigens mit rund Dreiviertel der ungarischen Bevölkerung, so hoch ist laut einer Umfrage der Anteil der Menschen, die stigmatisierende Vorurteile gegen Roma haben, quer durch die politische Landschaft.
Pester Lloyd 

Ein Gedanke zu „Ungarischer Botschafter bezeichnet Roma als “Inzestgruppe”

  1. …was wieder einmal zeigt, dass man – und eben nicht nur in Ungarn, sondern in ganz Europa – traditionell auf Antiziganismus „eingestellt“ ist…

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