WikiLeaks: „Winterschule“ für Langzeitarbeitslose in Ungarn ein entwürdigender und teurer Flop

WikiLeaks: „Winterschule“ für Langzeitarbeitslose in Ungarn ein entwürdigender und teurer Flop.

Eine Recherche des Transparenzportals und ungarischen WikiLeaks atlatszo.hu hat ergeben, dass die von der Regierung groß promotete „Winterschulungsoffensive“ weitgehend ein Propagandamärchen geblieben ist. Laut Plan sollten bis zu 40.000 Sozialhilfeempfänger und Langzeitarbeitslose, vor allem in „benachteiligten, ländlichen Regionen“ (Regierungscode für Romaghettos), die bisher noch nicht in den
„Kommunalen Beschäftigungsprogrammen“ tätig sind, von November bis April je 2 Monate arbeiten und vier Monate Schulungs- und Weiterbeildungsmaßnahmen besuchen. Dafür stellte das Innenministerium stattliche 20 Milliarden Forint (65 Mio. EUR) aus einem Sonderfonds zur Verfügung.

Die Journalisten von atlatszo.hu besuchten einen der Schwerpunkte-Orte, Erdőkertes, ca. 40 Kilometer vor Budapest und musste feststellen, dass sowohl die betroffenen Projektteilnehmer wie die Trägerkommunen unzufrieden bis wütend auf die Zentralregierung sind. Die verpflichtenden Arbeitseinsätze fanden verspätet oder gar nicht statt, wenn, dann fehlte häufig die Ausrüstung. Die Schulungsprogramme beinhalten keinerlei brauchbares Wissen oder gar fachliche Spezialisierung, die einem der Teilnehmer irgendeinen Vorteil auf dem Arbeitsmarkt verschaffen könnten und seien entwürdigend. Der Lernstoff orientiere sich an der 1. Klasse Volksschule, einschließlich Buchstabieren und Fingerrechnen (siehe dazu auch „Wie macht das Schwein?“ bei Pusztaranger)

Die Kommune wiederum wartet noch immer auf die ersten Zahlungen, die bereits für Ende November zugesagt waren, bisher aber nicht eintrafen. Der Bürgermeister der Gemeinde László Pásztor ist entsprechend aufgebracht, denn seine klamme Kommune muss alle Ausgaben vorfinanzieren und fürchtet nun, dass er auf den Kosten sitzen bleibt. Fraglich bleibt damit auch, wo die Unsummen steckengeblieben oder versickert sind. Die Maßnahme endet übrigens genau nach den kommenden Wahlen. Plangemäß tauchen die Teilnehmer nicht mehr als Arbeitslose, sondern als Vollzeitbeschäftigte in den Statistiken auf.

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