Gangplatz, ohne Licht!

“Into the City, Universal Hospitality“

F.U.C.K A.R.T.I.V.I.S.M

 „Das gewalttätigste Element der Gesellschaft ist die Ignoranz“
(Emma Goldman)

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Kunst politisch zu machen, impliziert für mich Kunst als Werkzeug zu benutzen.
Ich verstehe Kunst auch als Widerstand, als Waffe gerichtet gegen die Verhältnisse.
Das ist oft sehr anstrengend, vor allem weil meine Arbeiten politisch sind, auf „akademische Trends“ bewusst verzichten, oft heftige Reaktionen und Proteste hervorrufen und im hermetisch abgeschlossenen Kunst und Kulturbetrieb entweder gar nicht vorkommen, oder marginalisiert werden. Aber zeichnen sich Kunst- und Kulturbetrieb nicht all zu oft durch Bürgerlichkeit, Elitarismus, Klassismus, Rassismus, Konservativismus und Heteronormativität aus? Und findet man in künstlerisch, kulturell und wissenschaftlich ausgewiesene Räume nicht doch eine ungern thematisierte Anhäufung von Unzulänglichkeiten, nicht nur bezüglich NS-Vergangenheit und des Postkolonialismus, sondern auch in Bezug auf ihre Subjekte, Diskurse, Kenntnisse, Perspektiven, Ausblendungen und Ausschlüsse?

Bei den 50% die ihr Kreuzerl letzten Sonntag bei Van der Bellen gemacht haben, sind auch viele WählerInnen aus den Bereichen Kunst und Kultur dabei. Ich nenne sie mal pseudointellektuelle Verführte – und empfinde diese mitunter fast bedrohlicher als jene 50%, die für Hofer gestimmt haben.
 Bedrohlich deswegen, weil es allzu oft dort, wo man es eben nicht erwarten würde, gar kein Bewusstsein für Diskriminierung und Ausschluss gibt, dafür aber eine Fixierung auf pseudo- akademische Diskurs-Ebenen, Profilierung und Sicherung der eigenen Privilegien. Ein konkretes Beispiel aus der Praxis: Ende letzten Jahres erhielt ich die Einladung bei “Universal Hospitality“ im Rahmen der Wiener Festwochen teilzunehmen. 
Mit dem Titel konnte ich gar nichts anfangen, überzeugt hat mich aber letztlich, dass die Ausstellung das Thema Nationalismus thematisieren wollte.
 Vereinbart waren fünf neue Plakate für den öffentlichen Raum, ein bescheidenes Honorar, die Produktionskosten für den Druck, hieß es, würden die Veranstalterinnen übernehmen, weiters auch die Installation der Plakate organisieren, das dafür vorhandene Budget waren ca. 1500,- bis 2000,-. Ich gestaltete dann fünf Plakate mit dem Titel: “Die Würde des Menschen ist antastbar – Kein Grundrecht auf ein besseres Leben!“, als Kommentar zur Asyl- und Flüchtlingspolitik in Österreich und dem vom Innenministerium herausgegebenen Refugee-Guide. Die Bebilderung und viele Aussagen in diesem Guide, der über Regeln und Werte in Österreich aufklären soll, stellen mehr als klischeehafte Ressentiments dar. Die Broschüre müsste eigentlich eine Hilfestellung für geflüchtete Menschen sein, indessen ist sie leider ein Spiegel von Voreingenommenheit und Intoleranz. Das einzige, was dieser lächerliche Bilderbuch-Benimm-Regel-Guide vermittelt, ist, dass wir Österreicher ein vorurteilsbehaftetes Volk sind. 
Scheinbar stellt diese Art von Guide, in dem es in erster Linie um Kulturregeln, Disziplinierung und pädagogischen Defizitansatz geht, für die meisten kein Problem dar. Anders kann ich mir nicht erklären, wie die KuratorInnen der Wiener Festwochen meine Arbeit dann präsentierten. Im Abseits nämlich, gehängt an einem engen Gangplatz und ohne Licht! Meinerseits war eine Totale aller fünf Plakatsujets vorgesehen, doch die war, abgesehen von den düsteren Lichtverhältnissen, beim Fotografieren gar nicht erst möglich, da der Gang zu eng war. Sind das die vorgesehenen Orte für kritisch-politische Kunst?
Zum Glück sind es wenigstens doch A1 Plakate geworden, denn irgendwann sagte man mir, dass nur A2 Plakate gedruckt werden können, weil A0 und A1 wegen der Auflösung nicht möglich wäre. Dann wiederum hieß es, die Wiener Festwochen würden die Druckkosten nur für A2 Plakate übernehmen. Wo und ob die Plakate im öffentlichen Raum platziert worden sind, blieb bisher ungeklärt. Der „Universal Hospitality“ muss ich leider wirklich das intendierte politisch-künsterlische Engagement absprechen bzw. es als das entlarven, was es ist: reine Fassade.

Into the City, Universal HospitalityHilfswerk
Universal Hospitality  Logo Hilfswerk Österreich

 

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